Warum lohnt es sich, über den eigenen Tellerrand zu schauen?
Nach drei Jahren in Frankreich kann ich sagen: Die Götter speisen woanders. Warum Sie dies aber niemals einem Franzosen sagen sollten, lesen sie hier.
Käsenation?
Frankreich ist für seine Leidenschaftlichkeit, hervorragenden Wein und die gute Küche berühmt. Für jeden Tag im Jahr gibt es eine neue Sorte Käse. Wenn sie dies wissen, haben Sie bei Franzosen schon einen Stein im Brett. Damit Sie ihn nicht auf ihrem Teller haben, prägen Sie sich Folgendes ein:
Fette Leber
Foie Gras ("fette Leber"a) oder Pâté de Foie gras (Gänseleberpastete) ist ausnahmslos immer gut. Vergessen Sie, dass die spezielle Art der Fütterung im Rest Europas verboten ist. Versuchen Sie nicht zu schmecken ob das auf Ihrem Teller Geschmack hat oder nicht. Dies ist eine Delikatesse, und wurde vom französischen Nationalrat zum nationalen und gastronomischen Kulturerbe erhoben. Daher sollten Sie es wie Franzosen machen, die es seit Kinderschuhen gelernt haben: Foie gras ist reflexartig immer "excellent". Jede andere Aussage würde das lebenslang Gelernte zunichte machen und nicht akzeptiert werden.
Miettes (Brotkrumen)
Brot kommt auf Französisch als Baguette auf den Tisch. Beißen Sie aber niemals davon ab. En Français: Man reißt mit den Händen ein mundgerechtes Stück ab und isst es. Vom Gebäck abzubeißen ist nicht tischtauglich. Hingegen sind Brotkrumen völlig akzeptabel, am Besten ist der gesamte Tisch davon übersät.
Direkt reinbeißen können Sie jedoch bei einem "Club" oder "Sandwich" - hier werfen wir Tischmanieren einfach über den Haufen.
Savoir vivre ("Wissen, zu leben") …et savoir commander ("und wissen, zu bestellen")
Internationale Touristen haben es in Frankreich schwer - eingebildete Kellner, unsympathische Serveusen, hochnäsige Tischnachbarn. Mit ein bisschen Französischer Lebenserfahrung sehen Sie die Gaststätten der Grande Nation ungetrübter.
- Bei der Ankunft im Restaurant oder Café, sagen Sie ob Sie essen oder nur etwas trinken möchten - es gibt getrennte Bereiche. Tipp: Wenn jeder Tisch gedeckt ist, versuchen Sie nicht nur auf ein Glas Wein vorbeizukommen.
- Wein gibt es oft nur in ganzen Flaschen. In einer Bar à Vin können Sie auch nur ein Glas Wein bestellen.
- Üben Sie sich in Geduld. Wenn der Kellner nicht innerhalb 30 Sekunden bei Ihrem Tisch steht um Ihre Bestellung aufzunehmen, ist das kein Grund zur Panik. Erinnern Sie sich dass sie nicht zu Hause sind. In Frankreich haben Sie Zeit, sich zu unterhalten. 10 Minuten Wartezeit bis zur Bestellung sind keine Seltenheit, dies ist der Lebensrhythmus den wir so am Süden lieben!
- Wenn Sie keine Zeit zum Essen haben, kaufen Sie sich ein Sandwich oder gehen sie in ein Fast Food Restaurant. Ein geselliger Abend im Restaurant kann gut und gern drei Stunden dauern.
- Der Kaffee schließt das Essen ab. Und damit Sie den Rest auch Schritt für Schritt erleben: Vorspeise. Salat. Hauptspeise. Dessert. Käse. Kaffee.
Es stimmt, Frankreich ist anders. Jedes Land außer der Heimat ist anders!
Wenn Sie es aber aus französischen Augen sehen, benehmen sich Touristen praktisch immer daneben: Sie setzen sich ohne zu fragen. Sie beißen vom Brot ab und bestellen eine Delikatesse um Sie dann ekelhaft zu finden. Sie wollen ein lächerliches Glas Wein. Sie sind ungestüm wenn sie nicht in 15 Minuten alles hinunterschlingen konnten. Sie beenden den Abend mit dem Kaffee und bemerken erst dann, dass sie doch noch ein Dessert haben wollen.
Sie sehen, sich in die Lage des anderen zu versetzen ist der erste Schritt zum Verständnis, zu einem gelungenerem Abend im Ausland und zu guter interkultureller Kommunikation.
Link: Fotogalerie zu einem Sternekoch 5-Gang Charity-Galadinner im April 2008


